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buchtipp der woche

Buchtipp von Jens Bartsch:

 

Elliot Paul / Das letzte Mal in Paris

 

Buchtipp-Elliot Paul-Das letzte Mal in Paris

Buchtipp Goltsteinstraße Köln

Der amerikanische Journalist und Autor Elliot Paul (geboren 1891 in Massachusetts) kommt 1923 als Korrespondent der Chicago Tribune nach Paris. Er verkehrt u.a. in den Kreisen rund um Gertrude Stein, Ernest Hemingway, James Joyce und Henry Miller. Aber sein Lebensmittelpunkt liegt an anderer Stelle.

Seine Pariser Heimat ist eine kleine Gasse im Quartier Latin, die Rue de la Huchette. Diese Gegend wird für Elliot Paul eine wahre Fundgrube an kleinen Geschichtchen, denn er ist ein genauer Beobachter und hat ein offenes Ohr für die ihn umgebende Welt. Sehr nahe sind ihm die Menschen seiner Straße, von den Wohnnachbarn über die diversen Händler bis zur Bordellbetreiberin. Und so entsteht im Mikrokosmos dieses Buches ein ganz großartiges und facettenreiches Portrait der französischen Metropole in der Zeit zwischen den großen Kriegen.

Auf dem Buchdeckel steht Roman, was so vielleicht nur mit Einschränkungen gilt. Vielmehr reiht Paul viele kleine Geschichten und Anekdoten aneinander - auf der Rückseite des Buches ist dann auch von einem Episodenroman die Rede, das trifft es in der Tat besser.

Stilsicher geschrieben und wunderbar zu lesen sind die Nachrichten aus Elliot Pauls Quartier. Und je mehr man in das Buch eintaucht, desto mehr stellt man fest, dass sich über die wenigen Jahre hinweg etwas verändert. Von der Feststellung, dass Frankreich zwar Sieger des Ersten Weltkriegs, aber nicht der Gewinner ist, bis zum sich langsam abzeichnenden neuen Unheil - das Bild wird allmählich rund und so wird dann aus dem Buch eventuell doch etwas, was man einen richtigen Roman nennen kann. Wie dem auch sei, dieses Buch ist mir mit fortschreitender Lektüre extrem ans Herz gewachsen.

Sehr zu empfehlen als schöne, kurzweilige, aber sehr intelligente Lektüre nicht nur für die Zeit zwischen den Feiertagen ist dieses wiederentdeckte Perlchen guter Literatur.

Die deutsche Erstausgabe erschien übrigens 1944 im Exilverlag Bermann-Fischer in Stockholm unter dem Titel „Die kleine Gasse”. Die Neuausgabe folgt der damaligen Übersetzung durch Ludovica Hainisch-Marchet und bewahrt dadurch ganz besonders den Charme einer vergangenen Welt.

 

 

MAROVERLAG  20.00 €

 

 

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