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Buchtipp von:
Jens Bartsch
Jens Bartsch


Buchtipp Goltsteinstraße - Fante - Westlich von Rom

Buchtipp von: Jens Bartsch
Buchtipp Goltsteinstraße - Fante - Westlich von Rom

Westlich von Rom

von: John Fante

Vorgestern las ich mein erstes Buch des amerikanischen Autors John Fante - manchmal will gut Ding eben Weile haben. Charles Bukowski gehörte zu seinen Bewunderern, was ja keine gar so schlechte Empfehlung ist.

Über die ersten Seiten hinweg las ich eine schön schräge Geschichte und als Überschrift für eine eventuelle Empfehlung geisterte mir der Satz „Vergessen Sie T.C.Boyle - entdecken Sie John Fante” durchs Hirn. Aber weit gefehlt, nach der Lektüre denken Sie überhaupt nicht (mehr) an T.C. Boyle, denn der Vergleich ist völlig fehl am Platz. Sie werden nur noch an John Fante denken...

Das 1986 erstmals erschienene Buch begeistert nämlich nicht nur wegen seiner teils recht schrägen und abgefahrenen Szenen - es besticht viel mehr durch eine unglaubliche Ehrlichkeit! Das lassen wir jetzt mal so stehen und ich erkläre dann gleich, warum dem so ist.

Vorher kurz zur Handlung: Der nur mäßig erfolgreiche Drehbuchschreiber Molise ist verheiratet und hat vier fast erwachsene Kinder, von denen er sich eigentlich nichts sehnlicher wünscht, als dass diese endlich das Haus verlassen mögen. Als der Familie ein Hund zuläuft, wird dieser zum Katalysator für alle innerfamiliären Konflikte, denn der Hund hat es in sich. Nicht nur hat dieses zottelige Monster gelegentlich unübersehbare Riesenerrektionen, das Tier hat auch eine sehr heftige Tendenz, besonders alle männlichen Wesen (ob Hund oder Mensch) sofort besteigen zu wollen. Das führt zu sehr skurillen Szenen und zu einigen Turbulenzen in der Familie.

Außergewöhnlich macht dieses Buch aber die Ehrlichkeit, die John Fante seinem Hauptprotagonisten in dessem Denken und Handeln „zuschreibt”. Denn diese schonungslose Ehrlichkeit überträgt sich auf den Leser und macht was mit Ihnen - das Buch wird Sie bewegen!

Oberflächlich betrachtet kommt Fantes Stil flott und sprachlich sehr geradeaus hingerotzt daher. Aber je weiter man der fesselnden Story folgt, desto mehr stellt man fest, was eigentlich darin und dahinter steckt - nämlich sehr große Literatur...
Der Herr Bartsch ist ganz schwer begeistert.

John Fante / Westlich von Rom
Aus dem Amerikanischen übersetzt von Doris Engelke

maro Verlag   18.00 €