Buchhandlung Goltsteinstraße

Tel: 0221 - 340 07 17
Goltsteinstraße 78 · 50968 Köln


Montag - Freitag: 9:00 Uhr - 19:00 Uhr
Samstag: 9:00 Uhr - 14:00 Uhr

Diese Bücher haben Sie noch nicht gelesen? Das lässt sich nachholen:


Buchtipp von:
Katrin Bartsch
Katrin Bartsch


Buchtipp Goltsteinstraße - Hein - Verwirrnis

Buchtipp von: Katrin Bartsch
Buchtipp Goltsteinstraße - Hein - Verwirrnis

Verwirrnis

von: Christoph Hein

Die DDR in den 1950er Jahren: Im thüringischen Heiligenstadt lernen sich Friedeward und Wolfgang als Schüler kennen. Sie gehen in dieselbe Klasse, haben die gleichen Interessen und reden über Gott und die Welt. Beide kommen aus sehr katholischen Elternhäusern, der Vater von Wolfgang ist Kantor an der hiesigen katholischen Kirche und Friedewards Vater ist ein äußerst strenger Lehrer.

Friedeward und Wolfgang kommen sich näher; sie entdecken ihre eigene Homosexualität und erste Zärtlichkeiten werden ausgetauscht. Doch Friedewards Vater erwischt sie dabei und der Sohn, obwohl schon siebzehn Jahre alt, bekommt mal wieder den Siebenstriemer, Vaters Peitsche zu spüren. Die Eltern werden die Jugendlichen trennen und Wolfgang wird sein Abitur in einer anderen Stadt ablegen müssen.

Trotz des Verbotes sich wiederzusehen, treffen sich Friedeward und Wolfgang die nächsten Jahre heimlich. Sie studieren in Berlin und Leipzig und beide gehen später eine Scheinehe mit zwei Freundinnen ein. Wolfgang geht nach West-Berlin und Friedeward schlägt eine Hochschullaufbahn in Leipzig ein, ihre Liebe wird durch den Mauerbau am 13. August 1961 getrennt. Und so folgen wir im letzten Drittel des Romans besonders Friedeward und seiner Laufbahn an der Universität Leipizig mit den dortigen Grabenkämpfen. Friedemann fällt es schwer, sich zu seiner Homosexualität zu bekennen, zu sehr ist ihm die Scham seit seiner frühesten Kindheit eingeimpft worden - auch darin waren sich Ost und West sehr ähnlich.

Sehr glaubwürdig gibt der Roman ein Sittenbild der 1950er Jahre wider - Homosexualität ist illegal und steht noch unter Strafe, sie ist sowohl in West- als auch in Ostdeutschland noch ein juristischer Straftatbestand.

Sehr leichtfüßig und mit einer großen Sogkraft schildert Christoph Hein eine Begebenheit aus der jüngeren deutschen Geschichte. Und wiederrum fühlt der Leser mit den Romanfiguren mit und erfährt so nebenbei sehr viel über die damaligen politischen Umstände - ein sehr lesenswerter Roman, mit dem mich der Autor Christoph Hein aufs Neue begeistert hat.

Suhrkamp Verlag   22.00 €